Liebe Leserinnen und Leser
Mit 836 behandelten Gesuchen (+0.96% gegenüber dem Vorjahr) scheint sich die Gesuchsmenge nun auf hohem Niveau zu stabilisieren. Gemäss Kulturkonzept ist es ein Ziel des Aargauer Kuratoriums, den Gesuchstellenden mit raschen Entscheiden Planungssicherheit zu bieten. Allerdings stösst die Geschäftsstelle bei dieser Menge längst an ihre Kapazitätsgrenzen und eine Erhöhung der Ressourcen wird unumgänglich sein. Die Anträge werden nicht nur mehr, sondern auch immer umfangreicher. Der Prüfaufwand pro Gesuch ist unabhängig vom Förderentscheid und der Faktor «Gesuchsvolumen» ist nicht steuerbar. Nach den Effizienzsteigerungen der letzten Jahre ist das Potential für weitere Prozessoptimierungen ausgeschöpft.
Für die hohe Glaubwürdigkeit des Kuratoriums ist es essenziell, dass Fachleute mit der notwendigen Expertise und unter Berücksichtigung der gesetzlich festgelegten Qualitätskriterien die Gesuche beurteilen. Deshalb ist das Aargauer Kuratorium als Fachgremium definiert und bei jeder Vakanz aktualisieren wir das Anforderungsprofil, damit im Plenum die 11 Mitglieder alle aktuellen Strömungen im Kunstschaffen mit entsprechender Expertise repräsentieren.
Im Format «Kultur & Politik am Mittag» bot sich auch 2025 die Gelegenheit, den Grossrätinnen und Grossräten den gesetzlichen Auftrag, die Arbeitsweise des Aargauer Kuratoriums und die aktuellen Entwicklungen des Aargauer Kunstschaffens zu erläutern.
Ein grundsätzliches Problem des Aargauer Kuratoriums ist die Einbettung der Geschäftsstelle in die kantonale Verwaltung. Die seit der Gründung des Kuratoriums 1968 historisch gewachsenen Verwaltungsstrukturen führen zu Doppelspurigkeit und Ineffizienz. Für eine nachhaltige Mittelverwendung wäre eine grössere Flexibilität hilfreich, weil beispielsweise Auszahlungen oft in Teilzahlungen gemäss Projektfortschritt oder erst in einem Folgejahr erfolgen. Zudem ist die Qualität der Projekte nicht vorhersehbar und jährlichen Schwankungen unterworfen. Unter dem Arbeitstitel KUR 2.0 sollen daher Vorschläge erarbeitet werden, wie die Fördermittel effizienter eingesetzt und die Schnittstellen zwischen Kuratorium und kantonaler Verwaltung vereinfacht werden könnten.
Im Berichtsjahr haben wir die Förderinstrumente im Bereich der Auszeichnungen angepasst. Auf die «kleinen Werkbeiträge» (sogenannte Förderbeiträge) verzichten wir, weil es Überschneidungen mit dem Förderinstrument «Freiraum» gegeben hat und letzteres eher den Bedürfnissen der Kunstschaffenden entspricht. Einzig bei der «Auswahl» in Kooperation mit dem Kunsthaus wurden 2025 noch zwei unterschiedlich dotierte Auszeichnungen vergeben.
Für die hervorragende und engagierte Arbeit danke ich dem ganzen Team von Herzen. Trotz hoher Arbeitsbelastung bewältigen die Mitarbeitenden die Gesuchsabwicklung sowie die Organisation von Anlässen und Sonderprojekten mit ausserordentlichem Engagement und ausgeprägter Kundenfreundlichkeit.
Die unabhängige Kulturförderung des Aargauer Kuratoriums ist keine Selbstverständlichkeit und wird in der ganzen Schweiz sehr geschätzt. Sie immer wieder zu verteidigen ist Aufgabe aller Beteiligten: Künstlerinnen, Künstlern, Programmveranstaltern, Interessenverbänden und Kulturinteressierten.
Daniel Waser, Geschäftsführer Aargauer Kuratorium