Ein grundsätzlich zuversichtliches Kulturjahr endete mit dem Budgetentscheid des Aargauer Parlamentes im Dezember enttäuschend und stellt das Aargauer Kuratorium vor grosse Herausforderungen.
Der Grossrat hat den Antrag des Regierungsrates um Erhöhung des Kuratoriumsbudgets um CHF 100’000 abgelehnt. Und dies, obwohl er im Finanzplan 2024–27 einer jährlichen Erhöhung von CHF 100’000 aus dem Staatshaushalt für das Kuratorium zugestimmt hatte. Damit hätten sich die jährlichen Kulturausgaben «pro Kopf» wieder dem Stand von 2015 annähern sollen.
In Anbetracht des Bevölkerungswachstums, das im Aargau seit 2010 um 20% auf 735’536 Personen gewachsen ist, ist der pro Kopf Betrag für die Kulturförderung aus Steuermitteln von CHF 9.48 (2015) auf CHF 7.14 (2024) gesunken. Nur Dank Kompensation über den Swisslos-Fonds (SLF) stellte der Regierungsrat sicher, dass dem Kuratorium ab 2016 der bisherige Förderbeitrag zur Verfügung stand. Der Beitrag des SLF pro Kopf wuchs leicht von CHF 1.80 (2016) auf CHF 2.00 (2024). Details zu dieser Entwicklung finden Sie in diesem Tätigkeitsbericht im Kapitel «Statistische Informationen».
Verschärft wird die finanzielle Situation des Aargauer Kuratoriums durch weitere Faktoren: Erstens entwickelt sich das Kulturangebot im Kanton erfreulich weiter und wird breiter. Zweitens wird das Thema der fairen Honorare in der Kunstförderung immer wichtiger. Als letzter Berufsverband hat Sonart Honorarempfehlungen für JazzPop+ veröffentlicht. Während das Kuratorium bei der Beitragssprechung in den anderen Sparten mehrheitlich die Verbandsempfehlungen berücksichtigt, bedeuten diese für JazzPop+ eine grosse Herausforderung. In Absprache mit anderen Kantonen und den Programmveranstaltern beabsichtigen wir eine stufenweise Umsetzung. Welche ersten Schritte wir intern realisieren können, ohne das Kulturangebot im Kanton Aargau zu gefährden, wird das Gremium im ersten Quartal 2026 diskutieren. Fest steht: Um das bestehende Angebot zu erhalten, ist das Kuratorium auf höhere Staatsbeiträge angewiesen.
Neben finanziellen Unsicherheiten erlebten wir in den vergangenen Monaten eindrucksvolle Anlässe. Das inzwischen traditionelle kantonale Kulturforum, das die Abteilung Kultur und das Aargauer Kuratorium jeweils gemeinsam zu Jahresbeginn organisieren, widmete sich dem Thema Innovation — einem der vier Ziele des aktuellen Kulturkonzeptes. Die definierten drei Handlungsfelder und sieben Massnahmen sollen die Rahmenbedingungen für Innovation ermöglichen und die Kulturakteure darin stärken, Weiterentwicklung, Innovation und das Initiieren von kreativen Prozessen als Chance und nicht als Risiko zu sehen. Zwei Inputreferate von Gianna Conrad, Stellvertretende Leiterin Innovation & Gesellschaft bei der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, und Joël Luc Cachelin, Zukunftsforscher mit der eigenen Firma Wissensfabrik, führten ins Thema ein, bevor den rund 120 Teilnehmenden acht innovative Projektpräsentationen vorgestellt wurden.
Ein besonderer Höhepunkt im vergangenen Jahr war die Vergabe des Aargauer Kunstpreises in Suhr. Petra Volpe erhielt die mit CHF 40’000 dotierte höchste Auszeichnung des Kantons. Sie ist eine der erfolgreichsten Schweizer Filmemacherinnen mit einer beeindruckenden Filmografie und internationalen Strahlkraft. Petra Volpe trifft mit ihren Filmen und Drehbüchern immer wieder den Nerv der Zeit und setzt gesellschaftlich relevante Themen in publikumsnahe, kluge und humorvolle Filme um.
Mit dem Nerv der Zeit beschäftigte sich auch unsere zweitägige Klausur im August 2025, die den Kuratorinnen und Kuratoren sowie den Mitarbeitenden der Geschäftsstelle die vertiefte Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz ermöglichte. Andreas Geis — Leiter Förderung bei der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte SKKG, Winterthur — führte uns in die Thematik ein. Wie mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Anwendungen umzugehen ist und welche Bedeutung diese von der Gesuchstellung über die Bearbeitung und Beurteilung bis hin zur Entwicklung neuer Förderinstrumente haben könnte, waren die zentralen Fragen. Mit ihnen und einer sinnvollen Nutzung von KI in unserer Förderung werden wir uns in Zukunft vermehrt auseinandersetzen.
Daniela Berger, Präsidentin Aargauer Kuratorium