Drei für das Jahr 2025 exemplarische Projekte aus dem Fachausschuss Literatur

Morgengrauengewässer. Seit 2022 sind der afghanische Exilautor Azizullah Ima und der Schweizer Schriftsteller Andreas Neeser ein Tandem bei «Weiterschreiben Schweiz». Aus ihrem interkulturellen Dialog entstehen literarische Miniaturen in ihrer jeweiligen Muttersprache — und sind nun auch als Buch im Rotpunktverlag erhältlich. Die Texte verbinden Imas Protest gegen Krieg und religiösen Fanatismus mit Neesers Reflexion über die Vorläufigkeit von Welt‑ sowie Identitätserfahrung und ergeben ein faszinierendes west‑östliches Gewebe. © Xenia Zezzi  

LäsiForum. Die Leserei AG aus Zofingen lädt zu einem kuratierten, moderierten Lesezirkel mit mehreren Treffen ein. Die Bücherauswahl konzentriert sich dabei auf Werke namhafter, überwiegend schweizerischer Autorinnen sowie Autoren und wird von dem renommierten Literaturwissenschaftler Michel Mettler geleitet. Das LäsiForum ist ein gemeinschaftsbildendes Projekt, welches die Freude an der Lektüre und am literarischen Diskurs zelebriert. © zVg

Die Memoiren von Victorine Brocher. Zum 50‑jährigen Jubiläum lässt ein neues Kollektiv den 1975 gegründeten Paranoia City Verlag wiederaufleben und veröffentlicht als eine der ersten Auflagen die deutsche Übersetzung von Victorine Brochers Memoiren «Souvenirs d’une morte vivante». Für das Projekt wurde die Lektorin Nadia Brügger gewonnen — eine prägende, kritische feministische Stimme in der Schweizer Literaturszene. © Paranoia City Verlag

 

 

Neue Förderstruktur und Projekte, die begeistern

Der Fachausschuss Literatur hat seine Förderstruktur überarbeitet: Neben dem Werkbeitrag, der Auszeichnungscharakter hat, gibt es neu den Projektbeitrag — für den sich Gesuchstellende drei Mal pro Jahr bewerben können. Die Idee hinter diesem Fördergefäss ist, dass literarische Projekte, die Potential haben, aber noch nicht ausgereift sind, in einer frühen Phase Unterstützung erhalten und so weiterentwickelt werden können.

2025 kam die neue Förderstruktur erstmals zur Anwendung und der Projektbeitrag stiess erfreulicherweise auf grosses Interesse. Die Bandbreite der eingereichten Gesuche ist vielfältig — sie reicht von Graphic Novel über historische Romane bis zu Sci-Fi Texten. Als Beispiel sei das Comic-Projekt «Alles wird gut» von Claudio Näf aufgeführt, in dem eine autofiktionale Geschichte über sexuelle Identität, Krankheit sowie Verlust erzählt wird (die Graphic Novel soll in der renommierten Edition Moderne erscheinen). Ebenfalls überzeugt hat das Projekt von Susanne Zahnd über eine Familiengeschichte, die Anfang des 20. Jahrhunderts in die Schweiz führt. Zuletzt ist auch Elisa Rutschis originelles Textfragment zu erwähnen, worin die Autorin — in einer Art Gedankencollage — dem Lebensgefühl junger Menschen nachspürt.

Nicht nur unser Fachausschuss zieht ein positives Fazit zum Jahr 2025: Auch das Aargauer Literaturhaus, unter der Leitung von Cédric Weidmann, kann ein weiteres erfolgreiches Jahr verbuchen. In der Reihe «Theorie <–> Literatur» wird beispielsweise diskutiert, wie sich Sprache mit dem Denken verbindet. Eindrücklich zeigt sich hier wieder einmal, dass Literatur ein dynamisches Geflecht aus Produktion, Kritik und gesellschaftlichen Prozessen bildet.

Esther Schneider, Vorsitz Fachausschuss Literatur

 

BEITRÄGE LITERATUR


Freiraum

Nicole Doppmann, Zürich «Fluxus – mirror me, mania.» 10’000
Christina Siever, Wettingen Probeübersetzung: Auke Hulst Tandenjager 5’000

 

Lesungen bei Kulturorganisationen 14’800


Projektbeitrag

Nadia Brügger, Zürich «Die Memoiren von Victorine Brocher» 10’000
Markus Hediger, Zürich «Les Visites chez la vieille dame» 10’000
Jasmine Keller, Zürich «Das Zentrum» 10’000
Claudio Näf, Luzern «Alles wird gut.» 10’000
Elisa Rutschi, Basel «Play» 10’000
Claudia Storz, Aarau «Grüne Tiger» 10’000
Suzanne Zahnd, Zürich «Bagage» (Arbeitstitel) 10’000


Druckkostenbeitrag

Benjamin Bieri, Basel Literaturmagazin «Das Narr 2025/2026» 5’000
Der gesunde Menschenversand, Luzern Dominic Oppliger: «Helsinki» 3’000
Gans Verlag, Berlin Nathalie Schmid: «Atlantis lokalisieren» (Neuedition) 4’985
Rotpunktverlag, Zürich Silvia Süess: «Reden, um nicht zu ersticken» 5’000
Rotpunktverlag, Zürich Azizullah Ima und Andreas Neeser: «Morgengrauengewässer» 6’000
Schwabe Verlagsgruppe AG, Basel Corina Burkhardt: «Castletown College II – Nur du und ich» 3’000


Programmbeitrag

Ulrich Suter, Schongau Literaturschiff Seetal Programm 2025 1’800
Aargauer Literaturhaus Lenzburg Programm 2025 253’000
die literarische aarau Programm 2025 4’300
Leserei AG, Zofingen LäsiForum Programm 2025/2026 1’450
Literarische Gesellschaft Baden Baden liest Programm 2025/26 5’250
Verein Sofalesungen, Basel Sofalesungen 5’000


Werkbeitrag

Demian Lienhard, Zürich Werkbeitrag 30’000
Lukas Maisel, Nesselnbach Werkbeitrag 30’000
Jens Nielsen, Zürich Werkbeitrag 30’000

 

Beiträge Literatur 477’585